Fragen und Antworten zum Thema "Mission"

 

Eine Reihe von Ereignissen und Medienberichten haben Fragen im Zusammenhang mit evangelikaler Missionsarbeit aufgeworfen. Die folgende Stellungnahme soll dazu dienen, wesentliche Begriffe zu klären und Hintergründe zu erläutern.

 

1. Was heißt „Mission“?

Das Wort „Mission“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Sendung“. Der Missionsbegriff wird u.a. in der politischen, wissenschaftlichen und diplomatischen Sprache verwendet. Im christlichen Sinne bedeutet Mission die Sendung von Christen in die Welt. Christen weisen durch ihren Lebensstil und ihr Bekenntnis auf das Evangelium – die gute Nachricht – von Jesus Christus hin. Das beginnt in der eigenen Familie und im Bekanntenkreis und reicht bis hin zu fremden Völkern.

ReachAcross ist eine christliche Organisation, die ihre Aufgabe darin sieht, durch soziales Engagement und Verkündigung die Liebe Jesu Christi bekannt zu machen. Wir tun dies in der Überzeugung, dass Gott in Jesus Christus in einzigartiger Weise seine Menschenfreundlichkeit offenbart hat. Jeder Mensch soll die Chance haben, diese Botschaft kennenzulernen – auch Muslime. Denn die Erkenntnis, dass Gottes Liebe und Gnade jedem Menschen gilt und er sie sich nicht erst verdienen muss, unterscheidet sich vom islamischen Glaubensverständnis fundamental.

 

2. Wie sieht die Arbeit konkret aus?

Das Verhältnis von Christen und Muslimen ist durch geschichtliche Ereignisse sowie einseitige Darstellungen belastet und weithin von Ängsten und Missverständnissen geprägt. Mitarbeiter von ReachAcross sind bemüht, Brücken zu Muslimen zu bauen. Sie erlernen die Sprache und lernen die Weltsicht und Kultur der Menschen kennen. In Respekt und Aufgeschlossenheit teilen sie ihr Leben mit Muslimen.

Das Evangelium schließt eine ganzheitliche Lebenshaltung mit ein. Zum einen begleiten und ermutigen ReachAcross-Mitarbeiter Menschen, die an Jesus Christus glauben und gemäß dieser Überzeugung leben wollen. Zum andern engagieren sie sich praktisch – in der Basisgesundheitsförderung und in Projekten zur Dorfentwicklung, in medizinischen Einrichtungen und in Behindertenprojekten, in pädagogischen Einrichtungen wie Sprachschulen oder Förderprojekten für Schüler und Studenten. ReachAcross leistet keine unmittelbare Katastrophenhilfe, sondern ist in der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit tätig. Gemeinsam mit den gesellschaftlich Benachteiligten, zum Beispiel Frauen oder Behinderten, versuchen unsere Mitarbeiter Wege zu finden, wie die Betroffenen ihre Lebensumstände aktiv verbessern können.

Projekte werden kulturangepasst und mit bewährten Methoden des jeweiligen Fachgebietes durchgeführt. Dabei wird auf Qualitätssicherung geachtet. ReachAcross ist als gemeinnützig anerkannt und kooperiert in Deutschland und der Schweiz mit evangelischen Gemeinden und anderen christlichen Organisationen sowie in den Einsatzgebieten mit verschiedenen Partnerorganisationen und einheimischen Kirchen.

 

3. Was bedeutet „evangelikal“?

Der Begriff „evangelikal“ kam im 20. Jahrhundert im englischen Sprachraum auf und meint „dem Evangelium gemäß“. Gemeinsam mit anderen orientieren sich evangelikale Christen an den Kernaussagen der Bibel und des Glaubensbekenntnisses: Gott, der Schöpfer der Welt und Herr allen Lebens, wurde in Jesus Christus Mensch. In ihm vereinen sich Göttliches und Menschliches. Weil Jesus mit seiner Person und Botschaft auf Ablehnung stieß, wurde er hingerichtet. In seinem stellvertretenden Tod nahm er die Schuld aller Menschen auf sich. Durch Gottes Kraft überwand er den Tod und ist heute unsichtbar gegenwärtig. Er wird am Ende der Zeit wiederkommen, um Gottes neue Friedensherrschaft aufzurichten.

Evangelikale Christen gehen von einer hohen Glaubwürdigkeit der biblischen Texte aus und halten an der Einzigartigkeit und Heilsnotwendigkeit Jesu Christi fest. Nur durch ihn können Menschen eine persönliche Beziehung mit ihrem Schöpfer haben, so dass ihr Leben hier und in Ewigkeit gelingt. Zusammengefasst finden sich diese Überzeugungen in der „Basis des Glaubens der Evangelischen Allianz“.

„Evangelikal“ bezeichnet also weder eine sektiererische Randgruppe noch einen politisch konservativen Aktivismus, wie in den Medien oft suggeriert wird. Weltweit sind es rund 500 Mio. evangelische Christen, die sich der „Evangelischen Allianz“ zugehörig fühlen, die meisten davon aus südlichen Ländern. Sie bilden damit einen wesentlichen Teil der Weltchristenheit. Evangelikale gehören ganz unterschiedlichen Denominationen an. Entsprechend vielfältig sind das kirchliche Leben und kulturspezifische Akzentuierungen des christlichen Glaubens ausgeprägt.

 

4. Wie reagieren Muslime auf die Arbeit von ReachAcross?

In islamisch geprägten Kulturen – wie auch in vielen anderen Kulturen der Welt – ist Religion das natürlichste Gesprächsthema. Gerade in Afrika und Asien lieben Menschen es, über Gott und die Welt zu debattieren. Muslime wissen es zu würdigen, wenn ein Gesprächspartner informiert ist und eine echte persönliche Überzeugung vertritt. Dies muss in Toleranz, in gegenseitigem Respekt und ohne jegliche Manipulation geschehen.

Unser Engagement für die Benachteiligten und unsere Entwicklungsarbeit wird von der muslimischen Bevölkerung sehr geschätzt.

 

5. Wie gefährlich ist die Arbeit in islamischen Ländern?

Leider sind viele Länder von immenser Not, Kriminalität, ethnischen Konflikten, Korruption und sozialer Ungerechtigkeit geprägt. Für Individualreisende, die ohne Sprach- und Kulturkenntnisse, mit minimaler Vorbereitung und ohne ein lokales Beziehungsnetz durchs Land reisen, können hier in der Tat erhebliche Gefahren bestehen. Missionare hingegen arbeiten im Team mit erfahrenen Kollegen, lassen sich von Einheimischen beraten und sind eingebettet in eine lokale Struktur. Sie erhalten eine sorgfältige Vorbereitung und das erforderliche Sicherheitstraining. Der Dienst von Missionaren ist vergleichbar mit dem von Feuerwehrleuten, Polizisten, Rotkreuz-Mitarbeitern, Entwicklungshelfern und Soldaten bei UN-Friedensmissionen. Sie alle gehen ein kontrolliertes Risiko ein, um Menschen in Not zu helfen und Frieden zu fördern.

 

6. Ist Mission nicht intolerant?

Jeder Mensch bringt sich im Lebensvollzug als ganze Person ein und kommuniziert bewusst oder unbewusst seine Lebensphilosophie. Das gilt für Atheisten, Agnostiker, Christen, Muslime usw. Das Weltverständnis eines Menschen bestimmt immer auch sein Denken, Reden und Handeln – in diesem weit gefassten Sinn wirkt also jeder Mensch ‚missionarisch’ auf seine Umwelt ein.

Wer das Evangelium als eine lebensverändernde Botschaft erfahren hat, will diese weitergeben – so ansprechend, liebevoll und einfühlsam wie irgend möglich. Dazu gehört es, andere Menschen zu achten und ihre Kultur und Glaubensüberzeugung zu respektieren. Auf dem Weg des ergebnisoffenen Dialogs werben christliche Missionare für das, was sie als heilbringend und hilfreich erfahren haben. Wer als Christ seinen Glauben weitergibt und bezeugt, hat keinesfalls die Wahrheit wie einen Besitz für sich gepachtet – vielmehr hat die Wahrheit ihn bzw. sie in Beschlag genommen. Ein christlicher Missionar ist auf dem Weg mit Jesus und bleibt stets ein Lernender.

Wie ein Mensch auf die christliche Botschaft antwortet, ist ihm selbst frei überlassen. Jegliche Art von Druck, Zwang oder Überredung lehnen wir ab. Zugleich aber lehnen wir es ab, wenn Menschenrechte eingeschränkt werden und die Weitergabe des Evangeliums unterbunden werden soll. An dieser Stelle gilt nach wie vor der biblische Grundsatz: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5,29).