Die Afar

 

Lebensraum

Afar Mann mit traditioneller HaartrachtDie Afar, auch Danakil genannt, sind in der Senke zwischen dem äthiopischen Hochland und dem Roten Meer beheimatet - eine der ödesten, heißesten und unwirtlichsten Gegenden der Welt. In der Danakilsenke sind Temperaturen von 50°C im Schatten keine Seltenheit! Das  traditionelle Siedlungsgebiet der Afar verteilt sich auf die drei Länder Äthiopien, Dschibuti und Eritrea.

 

Geschichte und soziale Struktur

Das Gebiet der Afar war früher in vier Sultanate aufgeteilt, an deren Stelle aber heute moderne Staatsstrukturen getreten sind. Die Sippen der Afar sind in Stämme, sogenannte „Mela“ gruppiert, die regelmäßig gegen die umliegenden Völkerschaften in den Krieg zogen oder sich auch untereinander bekämpften. Ein Afar fürchtet den Kampf nicht, er ist stets dazu bereit. Noch bis vor kurzem galt die Tötung eines feindlichen Mannes als Beweis der Männlichkeit und Ehefähigkeit.

Wie in den meisten muslimischen Gemeinschaften übernehmen auch bei den Afar die Männer die führende Rolle im öffentlichen Leben. Allerdings haben die Frauen innerhalb der Familie viel Macht und großen Einfluss z. B. auf die Wahl der Ehepartner der Kinder. Traditionell wird innerhalb des Stammes geheiratet und die Kusinenheirat praktiziert. Die soziale Aufteilung in Adlige, sogenannte  „Rote Afar“, und in den niederen Stand, sogenannte „weiße Afar“, hat früher die Afar Gesellschaft geprägt, spielt aber heute im wirtschaftlichen und politischen Leben keine große Rolle mehr.

 

Afar Junge mit Zicklein vor der Hütte seiner MutterEine Kultur im Wandel

Die Afar zählen etwa zwei Millionen Menschen und lebten traditionell vor allem von ihren Kamel-, Ziegen- und Schafherden. Auch der Handel mittels Kamelkarawanen spielte früher als Einkommensquelle eine wichtige Rolle. Ihre erstaunliche Mobilität in dieser wüsten Gegend ohne moderne Infrastruktur sicherte ihr Überleben. Die mit Matten gedeckten Rundhütten waren schnell abgebaut und auf Kamelen zum nächsten Weideplatz verfrachtet.

Heute sind viele Afar in die Städte abgewandert und mehr oder weniger sesshaft geworden. Die Leute auf dem Land leben weiter von Handel und Tierzucht und sichern ihr Überleben oft durch Nahrungsmittelzuwendungen internationaler Organisationen oder durch finanzielle Hilfe von Verwandten in der Stadt, die gut verdienen.

Mehr und mehr Afar suchen den Weg in den Westen, in Länder wie Frankreich, Schweden, Kanada und Australien.

 

Glaube

Die Afar haben sich schon früh in ihrer Geschichte dem Islam zugewandt. Dennoch bestimmt bis heute der vorislamische Geisterglaube das Denken und Leben der Afar.

 

Gemeindebau unter Nomaden

ReachAcross begann im Jahre 1956 eine medizinische Arbeit unter den Afar am Rande der Wüste, d.h. am Roten Meer. Später wurden Stationen am westlichen Rand der Danakilsenke errichtet. Über 20 Jahre lang wurde in den Bereichen Landwirtschaft und Basisgesundheit die Entwicklung im ländlichen Raum gefördert. Dann musste die Arbeit von ReachAcross vor allem auf den städtischen Kontext begrenzt werden. Hier prägen Bildungsangebote für Schüler und Erwachsene die Projekttätigkeiten.

Noch sind die sichtbaren Ergebnisse von über 50 Jahren Missionsarbeit nicht überwältigend! Gemessen an der Schwierigkeit der Aufgabe sind sie dennoch erfreulich: Eine zunehmende Zahl von Afar kommt zum Glauben an Jesus Christus.

Auch wenn es noch keine sichtbare christliche Gemeinde unter den Afar gibt, ist es sehr ermutigend zu sehen, dass die Zahl der Christen, die bewusst unter den Afar missionarisch tätig sind stark zugenommen hat.

Die Sprache der Afar ist schriftlich erfasst, das Neue Testament liegt gedruckt vor und auch den Jesus-Film gibt es in der Afar-Sprache. Das Alte Testament steht kurz vor der Drucklegung. Radiosendungen und Kassetten mit biblischen Botschaften und Liedern wurden erstellt.

Die kontinuierliche Arbeit von ReachAcross an der Afar-Sprache im Bereich Forschung und Übersetzung hat entscheidend geholfen, das Selbstvertrauen der Afar in der Auseinandersetzung mit dem Einfluss der westlichen und arabischen Kultur zu stärken. Die Ergebnisse dieser Arbeit, die übersetzte Bibel und andere christliche Literatur, spielen eine wichtige Rolle für die zunehmende Zahl von Afar, die daran interessiert sind, Texte in ihrer eigenen Sprache zu lesen und zu schreiben.

 

 

 

 

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